Turnen – Vom Volkssport zur Olympia-Disziplin

tEine Sportart, die sicherlich jeder von uns schon einmal gemacht hat, ist das Turnen. Alleine schon deshalb, weil bereits ein Großteil des Sport-Unterrichts in der Schule seit jeher aus Turnen besteht. Die Ursprünge dieses Begriffs gehen allerdings bis auf das frühe 19. Jahrhundert zurück. Damals hat der berühmte Turnvater Jahn nicht nur die deutsche Jugend für den Kampf gegen Frankreich trainiert. Er hat auch die Sportart an sich um einige neue Geräte und Übungen erweitert.

So wurde aus dem klassischen Turnen zunächst das Gerätturnen, welches mittlerweile eher unter der etwas abgewandelten Bezeichnung Geräteturnen bekannt ist. Bereits für den Pädagogen Friedrich Ludwig Jahn stand damals fest: Durch Turnen werden zum einen die Fitness und die Kondition verbessert, zum anderen wird aber auch die Koordinationsfähigkeit gestärkt. Mit den Jahren wuchs das Ansehen dieser Sportart so sehr, dass sie bereits bei den ersten Olympischen Sommerspielen im Jahr 1896 fester Teil des Programms war und seit diesem Zeitpunkt sogar als eine der Kernsportarten gilt.

Übrigens, Das Wort Turnen stammt eigentlich von dem Begriff Turnier ab, der bereits im Mittelalter als Bezeichnung für Kampfspiele Verwendung fand. Heute steht dieser Begriff schlicht und einfach für zahlreiche vielfältige Bewegungen, die wir mit unserem Körper in der Lage sind auszuführen.

 

Aber was genau ist nun eigentlich Turnen?

Wird heutzutage allgemein vom Turnen als Sport gesprochen, ist häufig unklar, was konkret damit gemeint ist. Bei allen Leibesübungen dieser Art handelt es sich jedenfalls in der Regel um eine Individualsportart, die im Gegensatz zum Mannschaftssport lediglich von einer Person betrieben und nicht von mehreren gleichzeitig beziehungsweise in der Gruppe ausgeführt wird. Neben dem Boden- und dem Geräteturnen werden zuweilen noch viele weitere Arten der körperlichen Ertüchtigung und verschiedene Bewegungsformen dazu gezählt.

So gelten beispielsweise das Trampolinturnen, die Gymnastik im Allgemeinen und die Rhythmische Sportgymnastik, aber auch Akrobatik und Aerobic, diverse Turnspiele sowie Seilspringen, Rhönradturnen und Voltigieren ebenfalls als Bestandteile des Turnens. Da es allerdings in vielen dieser zusätzlich aufgeführten Bereiche Überschneidungen mit anderen Sportarten wie zum Beispiel Gymnastik oder Fitness gibt, dreht sich das Thema Turnen in der Regel nur um die geläufigsten Varianten. Somit fallen normalerweise lediglich das Geräteturnen sowie das Bodenturnen darunter. Werden diese Sportarten dagegen in Wettkampfsituationen ausgeübt, so spricht man in beiden Fällen gegebenenfalls vom sogenannten Kunstturnen.

 

Inwiefern kann Turnen ein Bestandteil von Wettkämpfen sein?

Wird das herkömmliche Turnen also in professioneller Form auf Leistungsebene betrieben, wird daraus unweigerlich ein Leistungssport. Neben den unzähligen regelmäßig stattfindenden, vorwiegend regionalen Meisterschaften gibt es auch einige große, national und international bekannte Sport-Events, die dem Turnen als Rahmenveranstaltung dienen. Wie bereits erwähnt, nimmt das Turnen bereits seit dem späten 19. Jahrhundert einen fixen Platz in der Olympiade ein.

Genauso gibt es allerdings auch eine Bundesliga, die speziell für die Turn-Sportarten stattfindet. In der Regel enthält jede Darbietung im Rahmen eines Wettkampfes zwei Teile – die Pflicht und die Kür. Während das Pflichtprogramm ganz bestimmte vorgegebene Übungen enthalten muss, kann der Turner oder die Turnerin bei der Kür kreativ sein und die zusätzlichen Elemente selbst zusammenstellen. Grundvoraussetzungen für eine gelungene Zusammenstellung sind allerdings, dass die Kürübungen gemeinsam mit dem Pflichtteil eine Einheit bilden und deren Schwierigkeitsgrad zur jeweiligen Leistungsklasse passen muss.

 

Was macht speziell das Kunstturnen aus?

Im Gegensatz zu der Art von Turnen, die lediglich als Hobby oder Freizeitsport betrieben wird, gelten für das Kunstturnen etwas andere Maßstäbe. Die Messlatte wird dabei sehr hoch gelegt und es ist ein großes Quantum an Disziplin und Training notwendig, um darin richtig gut und nach Möglichkeit auch erfolgreich zu sein. In vielen Fällen gelangen Turner nur deshalb an die Spitze, weil sie ihre Beweglichkeit bereits seit Kindestagen an regelmäßig und ausgiebig trainiert haben.

Häufig vergehen Jahrzehnte, bis die geübten Abläufe so sehr in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass sie bei ihrer Präsentation leicht und unkompliziert wirken. Dabei ist das beste Alter, um diese extrem anspruchsvolle Sportart auszuüben, ebenfalls abhängig vom Geschlecht. Während Jungen oder Männer ihre Höchstleistungen beim Kunstturnen durchschnittlich im Alter zwischen 18 und 30 Jahren vollbringen, ist die beste Zeit für Mädchen beziehungsweise Frauen oder Damen zwischen dem 19. und dem 26. Lebensjahr gegeben. Kein Wunder also, dass vor allem Sportler, die bereits als Kinder mit dem Kunstturnen beginnen und ihre Ziele intensiv verfolgen, in ihrer prognostizierten Blütezeit die besten Leistungen erbringen.

Als typische Disziplinen gelten beim Kunstturnen sowohl diverse Geräte als auch der Boden. Ausgeführt werden die Übungen auf dem sogenannten Podium – einem Bereich, auf dem alle Geräte und Bodenmatten platziert werden. Dieses Podium fungiert während eines Wettkampfes als eine Art Bühne, die immer nur von einer Person und nicht von mehreren gleichzeitig benutzt werden darf, sodass die notwendige Konzentration auf keinen Fall gestört wird.

 

Aber was muss ich mir nun unter Geräteturnen konkret vorstellen?

Mit dem Begriff Geräteturnen – oder auch Gerätturnen – wird die Sportart bezeichnet, bei der unter Einbezug von bestimmten Turngeräten diverse aufeinanderfolgende Übungen absolviert werden. Dabei muss der Turner oder die Turnerin genau definierten Vorgaben folgen. Bewertet werden, neben der korrekten Ausführung an sich, auch die Haltung und die Technik.

Bis in die Siebziger Jahre hinein enthielt das Geräteturnen eher Übungen historischen Ursprungs und konzentrierte sich mehr auf das Krafthalten und die Statik. Heutzutage steht dagegen eher die Dynamik im Vordergrund, sodass die Sportart mittlerweile auch viele Elemente aufweist, die eher in eine akrobatische Richtung gehen. Sämtliche Geräte, die beim Turnen Verwendung finden, können in zwei Kategorien, eingeteilt werden, nämlich Großgeräte und Sprunggeräte.

Zu den Sprunggeräten wählen neben Kasten und Bock auch der Sprungtisch und das Pferd. Als Großgeräte werden der Barren und der Stufenbarren, der Schwebebalken und das Reck sowie die Ringe und das Pauschenpferd bezeichnet. Für Laien zumeist etwas verwunderlich: Der Boden zählt, gemäß offizieller Definition, ebenfalls zu den Geräten. Hierzu wird allerdings an späterer Stelle noch einmal detaillierter eingegangen.

Die Übungen an den verschiedenen Turngeräten können dagegen drei Klassen oder Gruppen zugeordnet werden. Laut einer wissenschaftlichen Systematik dreht es sich bei jeder von ihnen entweder um eine statische Übung, eine Schwungübung oder eine Übung mit Heben und Senken beziehungsweise einer langsamen Verlagerung des Körpers. Zu den statischen Übungen, die sich vorwiegend auf das Halten einer Position konzentrieren, gehören Stände, Liege und Sitze sowie Hänge und Stütze.

Unter Schwungübungen dagegen versteht man nicht nur Sprung-, Roll- oder Überschlagbewegungen, sondern auch Auf- und Ab- sowie Bein- und Umschwungbewegungen und darüber hinaus sogar Stemm-, Felg- oder Kippbewegungen. Wird der Körper dagegen langsam verlagert, spricht man von einem Heben und Senken ohne Drehung des Körpers beziehungsweise mit Vorwärts-, Rückwärts- oder Seitwärtsdrehung.

 

Gibt es beim Geräteturnen Unterschiede bezüglich Geschlecht und Alter?

Bezüglich der einzelnen Disziplinen gibt es beim Geräteturnen außerdem einige Besonderheiten. Deren Ausprägung ist lediglich davon abhängig, ob Frauen beziehungsweise Damen oder Männer das Turnen ausüben. Während männliche Teilnehmer von Wettbewerben beispielsweise an einem Sechskampf teilnehmen, werden von den weiblichen Turnern nur vier Geräte mit einbezogen.

So turnen Männer sowohl auf dem Boden, an den Ringen und am Sprungtisch beziehungsweise Sprungpferd, als auch auf dem Reck, dem Barren und dem Pauschenpferd. Bei Frauen konzentriert sich der Wettkampf hingegen auf die Geräte Stufenbarren, Schwebebalken sowie ebenfalls auf den Boden und die Disziplin mit dem Namen Sprung. Diese Vorgaben beziehen sich auf das Geräteturnen, sobald es im Rahmen eines Wettkampfs ausgeführt wird und somit unter den Begriff Kunstturnen fällt.

Im Bereich des Breitensports dagegen gelten wiederum eigene Regeln. So müssen Männer dort häufig ebenfalls nur einen Vierkampf bestreiten. Hierfür sind entweder die vier Geräte Barren, Reck, Sprung oder Boden vorgeschrieben oder jeder Teilnehmer darf selbst vier von den sechs möglichen Geräten wählen. Und gerade wenn die Sportart lediglich als Freizeitbeschäftigung und nicht professionell betrieben wird, läuft das Geräteturnen für Männer und Frauen beziehungsweise Damen recht ähnlich ab.

So trainieren zum Beispiel in lokalen Sportvereinen auch viele weibliche Sportler am Reck oder an den Ringen. Schließlich kennen viele von uns genau diese Art von Geräteturnen bereits aus dem Sportunterricht in der Schule und sogar Grundschule. Damit ist eine Sache allerdings definitiv klar: Geräteturnen ist nicht nur ein Sport für Erwachsene, sondern genauso für Kinder, also Mädchen wie Jungs sämtlicher Altersklassen bestens geeignet. Und das nicht nur deshalb, weil ein möglichst früher Trainingsbeginn professionellen Turnern den späteren Erfolg erleichtert.

Geräteturnen ist eine abwechslungsreiche Sportart, bei der jeder die Möglichkeit hat, die für sich optimal geeignete Variante zu finden. So kommt der Spaß an der Bewegung von ganz alleine und bleibt im Idealfall auch nach der anfänglichen Phase der Begeisterung bestehen. Für den Jugendbereich – wie übrigens auch beim Training mit Senioren – finden darüber hinaus noch einige zusätzliche Geräte Verwendung. So werden hier zum Beispiel auch die Bank und das Minitrampolin, die Schaukelringe und der Pilz eingesetzt.

 

Und was genau ist dann mit dem Begriff Bodenturnen gemeint?

Wie bereits erwähnt, gehört das Bodenturnen streng genommen ebenfalls zum Geräteturnen. Offiziell wird der Boden an sich nämlich genauso als Gerät angesehen wird wie zum Beispiel der Barren und das Reck. Darüber hinaus enthalten Mehrkampfformen beim Turnen – egal ob bei Herren oder Damen – immer auch den Boden als Gerät. Vor allem im Freizeitsport wird das Bodenturnen allerdings häufig als eigenständige Sportart betitelt.

Dreht es sich dagegen um einen Bereich beim Kunstturnen, gelten ganz klare Regeln. Die Fläche, auf der der Wettkampf ausgetragen wird, muss genau zwölf Meter lang und zwölf Meter breit sein. Dabei handelt es ich um eine zweischichtige Konstruktion aus einer federnden Unterseite, auf der sich spezielle Deckläufer befinden. Der Turner oder die Turnerin führt darauf verschiedene Übungen aus, deren Abfolge beim Bodenturnen Kür genannt wird.

Anders als bei den übrigen Disziplinen im Geräteturnen, wird beim Bodenturnen mit diesem Begriff also nicht der frei wählbare Anteil der Elemente bezeichnet, sondern alle aufeinander folgenden Bodenturnübungen insgesamt. Jedoch gibt es auch im Bodenturnen bei der Zusammenstellung einer Kür die Möglichkeiten, obligatorische wie fakultative Elemente mit einzubauen. Zu den Pflichtelementen gehört zum Beispiel bei den Männern ein Gleichgewichtselement, während Frauen in jedem Fall einige gymnastische Drehungen und Sprünge vorführen müssen.

Was beim Bodenturnen für Männer und Frauen beziehungsweise Damen gleichermaßen gilt: Für eine gute Bewertung sollten die Turnelemente auf dem Boden so perfekt wie nur möglich aufeinander abgestimmt sein. Die Übergänge müssen fließend und harmonisch wirken und es soll immer wieder zwischen langsamen und schnellen Bodenturnübungen gewechselt werden. Auch bezüglich der Länge der Kür gibt es genaue Vorschriften.

So darf diese nicht kürzer als 50 Sekunden sein, aber auch nicht länger als 90 Sekunden dauern. Und nicht zu vergessen: Wer die Umrandung der Wettkampffläche übertritt, dem werden unweigerlich einige Punkte von seiner Gesamtwertung abgezogen. Dies gilt für lokale Wettbewerbe im Bodenturnen genauso wie beim Kunstturnen auf Olympia-Ebene.

 

Gibt es beim Turnen auch einfache Übungen, die besonders für Anfänger geeignet sind?

Selbst wenn es zunächst so scheint, als wären Bodenturnen wie Geräteturnen so kompliziert und anspruchsvoll, dass nur Profi-Sportler diesen Arten von Bewegungen gewachsen sind, gibt es dennoch für alle Teilbereiche Übungen, die sich für Anfänger ebenfalls eignen. Wie wir schließlich nahezu alle aus eigener Erfahrung wissen, nimmt das Bodenturnen gerade für Kinder einen großen Teil des Sportunterrichts in der Schule ein.

Eine einfache Bodenturnübung ist beispielsweise die Rolle vorwärts, die rückwärts ausgeführt bereits deutlich an Schwierigkeit gewinnt. Weitere Bodenübungen beim Turnen, die für Anfänger zunächst paarweise geübt werden können, sind der Handstand, der Kopfstand oder die Standwaage. Und auch das Radschlagen ist vor allem bei Kindern sehr beliebt. Neben schwungvollen Drehungen auf dem Boden und grazilen Strecksprüngen dürfen darüber hinaus natürlich solche Turnübungen wie der Spagat oder die Kerze beim Bodenturnen auf keinen Fall fehlen.

Viele dieser Turnübungen eignen sich sogar für ein Training zuhause, da hierfür keinesfalls eine komplette Turnhallenausstattung benötigt wird. Unverzichtbarer Turnbedarf ist allerdings eine passende Unterlage, die eventuelle Stürze ausreichend abfedert und dadurch Verletzungen gut genug vorbeugt.

 

Ist Turnen ein Sport für jedermann?

Grundsätzlich lässt sich eines definitiv feststellen: Das Turnen an sich – ob nun auf dem Boden oder am Gerät – gehört sicherlich zu den beliebtesten Sportarten überhaupt. Da wir bereits im Kindesalter erste Erfahrungen damit sammeln, lernt in der Regel jeder von uns im Laufe seines Lebens einige der Standard-Übungen kennen. Wer sich darüber hinaus weiter mit dem Turnen beschäftigen möchte, geht diesem Interesse am besten in einem entsprechenden Verein nach.

Denn nur unter professioneller Anleitung hat man die Möglichkeit, beim Geräteturnen und Bodenturnen auf ein höheres Niveau zu gelangen. Natürlich kann man es genauso gut schlicht und einfach als Hobby betreiben und profitiert dabei von der vielfältigen körperlichen Betätigung und dem regelmäßigen Kontakt zu Gleichgesinnten. Denn wie bei vielen anderen Sportarten, sollte auch beim Turnen eine wichtige Sache stets im Vordergrund stehen – nämlich der Spaß an der Bewegung!

 


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